Wissen: Radioaktivität und Strahlenschutz: der historische Hintergrund

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Radioaktivität und Strahlenschutz: der historische Hintergrund

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen Henry Becquerel und Marie Curie mit ihren Untersuchungen an radioaktiven Stoffen und der daraus austretenden Strahlung. Die erste Euphorie war groß, erst nach und nach wurden die gesundheitlichen Folgen bei der Verwendung von radioaktiven Stoffen bemerkt und Massnahmen ergriffen.

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Zifferblattmalerinnen bemalten Uhren mit einer Radium-Leuchtfarbe (Quelle: Wikipedia)

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem Henri Becquerel 1896 entdeckt hatte, dass Uran Strahlen aussendet, erforschten Marie und Pierre Curie dieses Phänomen weiter. Der Begriff der Radioaktivität wurde von Marie Curie geprägt. Radioaktivität stand zunächst für die spontane Umwandlung eines Elements in ein anderes unter Aussendung von ionisierenden Strahlen. Für diese Entdeckung erhielten Marie und Pierre Curie gemeinsam mit Henri Becquerel 1903 den Nobelpreis für Physik.

Entdeckung von Polonium und Radium

Im Rahmen ihrer Forschung konnte das Ehepaar Curie zudem zwei neue chemische Elemente identifizieren und nannte diese Polonium und Radium. Marie Curie erforschte in den folgenden Jahren die chemischen Eigenschaften des Elements Radium, wofür sie 1911 ihren zweiten Nobelpreis erhielt.

Die Euphorie um Radium

In den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entwickelte sich aufgrund einiger Berichte zur heilenden Wirkung der aus Radium austretenden Strahlung eine Euphorie um das neu entdeckte Element. Neben Trinkkuren mit radiumhaltigem Wasser wurden Zahnpasta, Lippenstift, Schokolade und vieles mehr mit Radium angereichert und als Unterstützung der Gesundheit und Schönheit angeboten.

Radioaktive Stoffe wurden zudem in der Leuchtfarbenindustrie intensiv verwendet. Später wurde die ionisierende Strahlung zunehmend auch für Schichtdickenmessungen, berührungslose Füllstandmessung, Materialüberprüfungen und bei vielen anderen Anwendungen in der Industrie und Forschung eingesetzt.

Erste Massnahmen zum Schutz vor den Gefahren durch Radioaktivität

Radiumverbindungen galten zuerst als relativ harmlos. In den 1920er-Jahren realisierten Forscher schließlich, dass das Radium verantwortlich war für die Häufung von Krebstumoren an Zunge und Lippen von Arbeiterinnen, die mit radioaktiver Leuchtfarbe Zifferblätter von Uhren bemalten und ihre Pinsel dabei mit dem Mund spitzten. In der Folge wurden erste Strahlenschutzmassnahmen von der Industrie eingeführt. Diese umfassten das Tragen von Gummihandschuhen und Haarnetzen, den Einsatz von Luftabzugshauben und das Verbot des Pinselanspitzens mit den Lippen.

Heutige Nutzung von radioaktiven Stoffen in Medizin, Forschung und Industrie

Heute werden radioaktive Strahlenquellen für die Ionisation von Materialien verwendet, wodurch bestimmte chemische Reaktionen beschleunigt werden. Des Weiteren werden radioaktive Nuklide als Markierung bei der Analyse von chemischen Reaktionen genutzt.

In der Medizin sind radioaktive Stoffe bei der Lokalisierung von einigen Tumorerkrankungen noch immer unersetzbar. Ionisierende Strahlen aus Röntgenanlagen, aus Teilchenbeschleunigern sowie aus Radiopharmazeutika werden zudem bei der Therapie von Krebspatienten genutzt, um Krebszellen abzutöten. Bei diesen Strahlentherapien sind die richtige Dosis, die genaue Abmessungen und Lage des Tumors und eine zeitlich optimierte Anwendung im Rahmen eines genauen Bestrahlungsplans entscheidend. Die Strahlendosis innerhalb des Tumors soll dabei stark genug sein, damit alle Krebszellen absterben, und gleichzeitig soll die Dosis im gesunden Gewebe außerhalb des Tumors so niedrig wie möglich sein.

Artikel: www.ensi.ch
Beitragsbild: www.asse.bund.de

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